Einblick in die Geschichte

Die Geschichte der Stadt Leiden reicht weit zurück. Am Ende des 15. Jahrhunderts war Leiden die größte Stadt der Grafschaft Holland. Dies war größtenteils der internationalen Tuchindustrie zu danken. Ab dem 16. Jahrhundert setzte ein wirtschaftlicher Wandel ein. Es war die Zeit der Reformation und protestantische Strömungen wurden rigoros verfolgt. Leiden schloss sich im Jahr 1572 dem niederländischen Aufstand gegen die spanische Herrschaft an und wurde von den Spaniern belagert.

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Die Einwohner fielen reihenweise Krankheiten und der Hungersnot zum Opfer und fast wäre Leiden in die Hände der Spanier gefallen. Am 3. Oktober 1574 wurde das Umland geflutet und die spanischen Truppen ergriffen die Flucht. Noch immer feiern die Leidener alljährlich am 3. Oktober ‚Leidens Ontzet‘ (die Befreiung Leidens). Die Feierlichkeiten haben sich inzwischen zu einem großen, zweitägigen Fest mit Musik, einer Kirmes und Feuerwerk entwickelt, und Hering mit Weißbrot werden kostenlos an die Bürger verteilt. Aber nicht nur dieses große Fest geht auf die spanische Belagerung zurück, Leiden sollte für seine tapfere Standhaftigkeit auch mit einer Universität belohnt werden.

Die Befreiung ist der Ausgangspunkt für eine neue Blütezeit. 1577 kamen zehntausende Niederländer calvinistischen Glaubens aus den südlichen Teilen des Landes nach Leiden: erfahrene Textilarbeiter und Unternehmer, die der aufkeimenden Wollzunft in Leiden mit neuen Produkten, Techniken, Kapital und ihrer Arbeitskraft den nötigen Impuls verliehen.

Leiden war nach Amsterdam die größte Stadt der Republik. Trotz diverser großer Pestepidemien vervielfältigte sich die Bevölkerung rasant. 1611, 1644 und 1659 musste die Stadt erweitert werden, und es entstand der Stadtkanal-Ring in seiner heutigen Form. Auf dem Höhepunkt, um 1670 lebten über 60.000 Menschen auf engstem Raum.

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Die Universität Leiden ist die älteste Universität der Niederlande.

Die Universität von Leiden

Leiden erhielt 1575 die erste Universität der nördlichen Niederlande. Angeblich war dies die Belohnung für den tapferen Widerstand Leidens gegen die spanische Belagerung. Die Universität von Leiden entwickelte sich zu einer der wichtigsten Universitäten Europas, und die weitgehende Religionsfreiheit förderte deren Blüte.

Verfall und Revolution

Im 18. Jahrhundert ging es mit der Tuchindustrie in Leiden bergab: die Arbeitsmöglichkeiten schwanden und viele Bewohner verließen die Stadt. Die Krise aufgrund der maroden Tuchindustrie sorgte für Unfrieden. Die fortwährenden Kriege Napoleons verschlimmerten die Situation nur noch. Zu allem Überfluss erlebte Leiden auch noch eine enorme Katastrophe. Am 12. Januar 1807 explodierte ein mit Schießpulver beladenes Schiff. Dutzende Häuser wurden zerstört und mindestens 150 Menschen verloren das Leben.

Das 19. Jahrhundert

Nach 1815 ging es langsam aber sicher wieder aufwärts mit der Stadt. Die Industrie in Leiden war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich weniger einseitig: neue Branchen, wie das Metallhandwerk, die grafische Industrie und die Konservenindustrie blühten auf. Dass es mit der Stadt Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gut gestellt war, kann man vor allem an den herrlichen Geschäftshäusern erkennen.

Die Universität Leiden ist die älteste Universität der Niederlande.

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Petrus ist der Schutzpatron von Leiden und von ihm stammt auch das Stadtwappen mit den Schlüsseln. 

Metamorphose

Leiden hat in den letzten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts einen enormen Umschwung erlebt. In den 60er Jahren war Leiden eine verarmte Arbeiterstadt mit der Universität als wichtigstem Lichtblick. Zu Beginn der 80er Jahre waren Industriebetriebe aus der Stadt verschwunden. Dies brachte eine enorme Arbeitslosigkeit mit sich, aber Leiden konnte neue Arbeitsmöglichkeiten finden.

In erster Linie sind hier der Bio-Science Park und andere Hightech- Betriebe im Viertel Leeuwenhoek zu erwähnen. Die Arbeitslosigkeit in Leiden ist gering, und die Bevölkerung zählt innerhalb der Niederlande zu denen mit dem höchsten Bildungsstand.

Die restaurierte denkmalgeschützte Innenstadt bietet ihren Einwohnern heutzutage eine besonders hohe Lebensqualität. Auch die zunehmende Anzahl Touristen und Tagesausflügler, die das historische Leiden mit seinen Baudenkmälern und Museen, den engen Gässchen, Grachten und Stadtkanälen entdeckt haben, wissen Leiden sehr zu schätzen. 

Die Schlüssel von Leiden

Leiden ist die Schlüsselstadt. Überall in der Stadt trifft man auf die Schlüssel. Das ist bereits seit 1293 so, als auf offiziellen Dokumenten der ‚Stadt Leyde‘ immer häufiger ein Stadtsiegel mit dem heiligen Petrus auftauchte. In seiner Hand hält der Apostel einen Schlüssel. Petrus (Sint Pieter) ist der Schutzpatron von Leiden. Die berühmteste Kirche der Stadt trägt seinen Namen, die Pieterskerk.